Die Geschichte

Es war 1990 an einem Herbstsamstag. Eine Handvoll Interessierter fand sich im Helene-Weber-Haus zu einem Workshop mit dem Pantomimen Scheibub ein, um erste Grundlagen der Schauspielerei kennenzulernen. Die Faszination war da – und der Entschluss, tatsächlich einmal echte Bühnenluft zu schnuppern: Die Theatergruppe war gegründet!

Schon bald wurde ein Kurs an der Familienbildungsstätte ins Leben gerufen und mit Matthias Nowack ein Regisseur gefunden, der damals auch am Theater Aachen wirkte. Mit ihm machte sich die Truppe an die Arbeit. „Männer für Amazonien“ hieß das erste Stück. „Wegen der Geschlechterverteilung in unserer Gruppe – viele Frauen, wenig Männer – entschieden wir uns für diese Gesellschaftssatire“, erinnert sich Gründungsmitglied Reinhard Weber. 1993 feierte das Ensemble im Kulturzentrum Frankental vor ausverkauftem Haus Premiere. Die Feuertaufe war bestanden, sodass schon ein Jahr später zum Silberjubiläum des Helene-Weber-Hauses „Die fromme Helene“ an gleicher Stätte auf dem Spielplan stand.

Prägende Regiearbeit über 15 Jahre
Im Anschluss übernahm Wolfgang Schmitz die künstlerische Leistung. Er sollte das Ensemble über eineinhalb Jahrzehnte entscheidend prägen. In dieser Zeit entstanden neun Inszenierungen unterschiedlicher Genres. Vielfalt war auch bei den Aufführungsorten Programm. 1996 gab es mit dem Klassiker „Die Hochzeit des Figaro“ und 2003 mit der Persiflage „Die deutschen Kleinstädter“ zwei weitere Gastspiele im Kulturzentrum. Mit dem Kinderprogramm „Urmel aus dem Eis“ und dem Erwachsenenprogramm „Bernarda Albas Haus“ präsentierte man sich 1997 erstmals open Air auf der Stolberger Burg. 1998 kam vor der beeindruckenden Burgkulisse das Monumentalstück „Die Chinesische Mauer“ zur Aufführung. In Sketchen erprobte sich die Gruppe 2001 beim Sommerfest des Helene-Weber-Hauses unter dem Motto „Der Untergang der Titanic ist aktenkundig“.

Drei zeitgenössische Interpretationen beschließen die Ära von Wolfgang Schmitz. Sie wurden jeweils im Evangelischen Gemeindezentrum dem Publikum präsentiert; von 2005 an unter dem eigenem Gruppennamen: „Theater Bühne frei“. Zunächst war es das absurd-witzige Stück „Nichts mehr nach Calingasta“ von Julio Cortazar. Anschließend folgte 2008 die turbulente Komödie „Betrifft den Papst“ nach Joao Bethencourt, ehe 2011 unter dem Titel „GeldMachtLiebe“ eine Bearbeitung einer Fassbinder-Fassung von Goldonis „Das Kaffeehaus“ gegeben wurde.

Aufwändige Jubiläumsproduktion – Spender und Sponsoren willkommen
2012 übernahm Thomas Bünten die Theaterkursleitung am Helene-Weber-Haus und Regisseur von „Theater Bühne frei“. Zuvor hatte er mit modernen Inszenierungen in der Aachener und Kölner Theaterszene auf sich aufmerksam gemacht. In Stolberg schlug er dem Ensemble die antike Tragödie „Antigone“ vor. Die Gruppe nahm diese Herausforderung an und erarbeitete sich über ein gutes Jahr den sperrigen Stoff. Ergebnis war 2013 eine ungewöhnliche Inszenierung in reduzierter Ästhetik, die von den Zuschauern im Kulturzentrum Frankental und von der Presse begeistert aufgenommen wurde. Beim erstmaligen Auswärtsgastspiel im Aachener Theater 99 waren die drei Aufführungen sogar restlos ausverkauft.

Basis für den Erfolg ist eine große Kontinuität im Ensemble. Viele Schauspieler sind bereits seit Jahren dabei: neben Reinhard Weber auch Carmen Kahn und Irmgard Schwartz ununterbrochen von Anfang an! Seit August 2014 probten 15 Frauen und Männer aus der gesamten StädteRegion an „Die Irre von Chaillot“. Ein satirisches Märchen aus dem Paris der 30er-Jahre über eine verschrobene Lebenskünstlerin, die sich und die Viertelbewohner mit einer List von gierigen Kapitalisten befreit, Lovestory und Chanson inklusive. Im Jahr 2018 kam „Der gute Mensch von Sezuan“ eine Parabel von Berthold Brecht zur Aufführung, mit der Grundfrage: Wann bin ich ein guter Mensch, kann es sein und bleiben? Und was macht dieses Streben mit uns?

André Schülke führt die professionelle Regie fort. Aktuell proben wir „Ein Geschenk der Götter“ von Oliver Haffner. Die arbeitslose Schauspielerin Anna übernimmt widerstrebend die Leitung eines Schauspielkurses für acht Langzeitarbeitslose. Trotz vielfältiger Widerstände gegen die verpflichtende Bildungsmaßnahme formt sich aus den frustrierten Einzelkämpfern nach und nach eine eingeschworene Gruppe.

Bei der derzeitigen Produktion kommen die Schauspieler:innen aus Aachen, Alsdorf, Würselen und Herzogenrath. Wir sind zurzeit 17 aktive Schauspielerinnen und Schauspieler von 16 bis 80 Jahren. Wir proben mittwochs in einer Schule in Würselen.
Und im Hintergrund haben wir viele ehrenamtliche Helfer für Musik, Bühne, Licht, Maske, Kostüme und Dramaturgie.